Der Tölzer Knabenchor wurde im Jahr 1956 von Gerhard Schmidt-Gaden ins Leben gerufen und zählte wenige Jahre nach seiner Gründung bereits zu den gefragtesten und vielseitigsten Knabenchören. Die Tölzer leisteten mit wegweisenden Interpretationen insbesondere auf dem Gebiet der Barockmusik einen nicht unerheblichen Beitrag zum Wandel der musikalischen Aufführungspraxis. Seit den 1970er Jahren übernehmen Tölzer Solisten die Knabenpartien an den führenden Opern- und Konzerthäusern Europas. Der Chor ist ebenso gefragt bei Aufführungen großer oratorischer und symphonischer Werke mit renommierten Orchestern und Dirigenten. Künstlerpersönlichkeiten wie Carl Orff, August Everding, Hans Werner Henze, Leonard Bernstein, Gustav Leonhardt, Nikolaus Harnoncourt und Claudio Abbado zählten zu den frühen Förderern des Chores. Herbert von Karajan bezeichnete den Tölzer Knabenchor seinerzeit sogar als "einen der besten Chöre der Welt". Im Jahr 2014 gab Schmidt-Gaden im Alter von 78 Jahren die Leitung des Chores ab. Künstlerischer Leiter ist nun sein Schüler und ehemaliger Sopransolist Christian Fliegner. Unterstützt wird er dabei von einem Team von acht Stimmbildnern und Chorleiter:innen. Die Leitung der Solistenabteilung obliegt Ursula Richter.

Sonntag, 1. Dezember 1974

Mozart Requiem mit dem Collegium aureum auf Schallplatte

1974
LENGGRIES, Pfarrkirche
Schallplattenaufnahme

W.A. MOZART: Requiem d-Moll KV 626
(in der Instrumentation von Franz Beyer)

Hans Buchhierl, Knabensopran
Mario Krämer, Knabenalt
Werner Krenn, Tenor
Barry McDaniel, Bariton
Tölzer Knabenchor
Collegium aureum (Konzertmeister: Franzjosef Maier)
GERHARD SCHMIDT-GADEN, Leitung

Ⓟ 1974 BASF harmonia mundi
LP  20 22006 "Stereo, auch Mono abspielbar"
* genaues Aufnahmedatum unbekannt

Dienstag, 1. Oktober 1974

Carmina Burana mit Tölzer Knaben: Erste von Carl Orff autorisierte Aufnahme

1974
KÖLN, Funkhaus

CARL ORFF: Carmina Burana

Ruth-Margaret Pütz, Sopran
Michael Cousins, Tenor
Barry McDaniel, Bariton
Roland Hermann, Bass
Kölner Rundfunkchor 
Tölzer Knabenchor
Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester
FERDINAND LEITNER, Dirigent

Schallplattenaufnahme für das Label BASF
Co-Produktion mit dem Westdeutschen Rundfunk (WDR)

Erste vom Komponisten autorisierte Einspielung

Sonntag, 11. August 1974

Missa Salisburgensis bei den Salzburger Festspielen

Anlässlich des 1200-Jahr Jubiläums des Salzburger Domes im Jahr 1974 veranstaltet das Domkapitel Salzburg in Zusammenarbeit mit den Salzburger Festspielen zwei beeindruckende Aufführungen der Salzburger Domfestmesse. Dabei kommt es zu einer Zusammenarbeit zwischen dem Tölzer Knabenchor und dem berühmten spanischen Knabenchor Escolania de Montserrat.

Sonntag, 11. August 1974, 20:00 Uhr
Mittwoch, 14. August 1974, 20:00 Uhr
SALZBURG, Dom

HEINRICH IGNAZ BIBER  (Benevoli zugeschrieben) • Missa Salisburgensis und Hymnis Plaudite tympana für 16 Vokal-, 35 Instrumentalstimmen, Basso continuo und zwei Orgeln

Knaben der Escolania de Montserrat, Sopran
Knaben des Tölzer Knabenchores, Sopran
Knaben der Escolania de Montserrat, Alt
Knaben des Tölzer Knabenchores, Alt
Tölzer Knabenchor
Escolania de Montserrat
Gerhard Schmidt-Gaden, Choreinstudierung
Collegium aureum
Padre Ireneu Segarra OSB, Montserrat, Dirigent

Aufnahme für Deutsche Harmonia Mundi
LP 1974, CD 2009

Freitag, 26. Juli 1974

Karajan verpflichtet Tölzer Solisten für die Zauberflöte

1974 verpflichtet Herbert von Karajan zum ersten Mal Tölzer Knaben für Mozarts "Zauberflöte" bei den Salzburger Festspielen.

Samstag, 26. Juli 1974, 19.00 Uhr
Dienstag, 29. Juli 1974, 19.00 Uhr
Dienstag, 12. August 1974, 19.00 Uhr
Sonntag, 17. August 1974, 19.00 Uhr
Samstag, 23. August 1974, 19.00 Uhr
Freitag, 29. August 1974, 19.00 Uhr
SALZBURG, Großes Festspielhaus

W.A. MOZART: Die Zauberflöte
René Kollo, José van Dam, Edita Gruberova, Edith Mathis, Hermann Prey, Reri Grist und drei Solisten des Tölzer Knabenchores
Chor der Wiener Staatsoper
Wiener Philharmoniker
HERBERT VON KARAJAN, Dirigent
GIORGIO STREHLER, Inszenierung

Freitag, 19. Juli 1974

Tölzer singt Yniold an der Bayerischen Staatsoper

19. Juli 1974
MÜNCHEN, Nationaltheater (Münchner Opernfestspiele)

CLAUDE DEBUSSY: Pelléas et Mélisande

Hans Buchhierl (Solist des Tölzer Knabenchors) in der Rolle des Yniold,
Wolfgang Brendel, Victor Braun, Karl Helm, Robert Holl, Eliane Manchet, Hertha Töpper
Bayerisches Staatsorchester
JEAN-PIERRE PONNELLE, Inszenierung

Dienstag, 1. Januar 1974

Mozarts "Krönungsmesse" mit dem Collegium aureum auf LP

1973/74
LENGGRIES, Pfarrkirche
Schallplattenaufnahme

W.A. MOZART: Missa C-Dur KV 314 ("Krönungsmesse")
W.A. MOZART: Vesperae solennes de confessore KV 339

Hans Buchhierl, Sopran
Andreas Stein, Alt
Theo Altmeyer, Tenor
Michael Schopper, Bass
Tölzer Knabenchor
Collegium aureum
(Konzertmeister: Franzjosef Maier)
GERHARD SCHMIDT-GADEN, Leitung

Ⓟ 1974 BASF harmonia mundi
LP  20 21875-9 "Stereo, auch Mono abspielbar"
Aufnahmeleitung: Dr. Thomas Gallia

Montag, 24. Dezember 1973

Deutscher Schallplattenpreis für Bachs Weihnachtsoratorium

1973
Deutscher Schallplattenpreis

J.S. BACH: Weihnachtsoratorium BWV 248

Hans Buchhierl, Sopran; Andreas Stein, Alt
Theo Altmeyer, Tenor; Barry McDaniel, Bass
Collegium Aureum (Konzertmeister: Franzjosef Maier)
Tölzer Knabenchor
GERHARD SCHMIDT-GADEN, Leitung

Aufnahme für Deutsche Harmonia Mundi

Eine Pioniertat

Rainer Lepuschitz schreibt im November 2008 in der Zeitschrift der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien über diese Aufnahme :

» [...] Während bis in die Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts rundherum Bach noch in Riesenbesetzungen und im romantischen Klangornat zelebriert wurde, begann Schmidt-Gaden mit seinem Knabenchor und zusammen mit dem Collegium Aureum Werke von Bach und anderen Barockmeistern in kleiner Originalbesetzung und auf Originalinstrumenten aufzuführen und auch auf Schallplatte aufzunehmen: die „Magnificats“ von Bach und dessen Sohn Carl Philipp Emanuel etwa, oder ganz wagemutig eine Gesamtaufnahme des „Weihnachtsoratoriums“. Da ließ Schmidt-Gaden auch die Sopran- und Altsoli, wie zur Bach-Zeit, von Knaben singen.

Die Öffentlichkeit reagierte begeistert: Die Tölzer Aufnahme des „Weihnachtsoratoriums“ wurde mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet und in den Vereinigten Staaten in den immerwährenden Kanon der wichtigsten hundert Plattenaufnahmen aufgenommen, sie gilt bis heute als ein Maßstab. Nikolaus Harnoncourt versicherte sich in seinen mustergültigen Einspielungen bald der Mitwirkung des Tölzer Knabenchors, führte und nahm im oberösterreichischen Stift Waldhausen mit den jungen bayrischen Stimmartisten neuerlich das „Weihnachtsoratorium“ auf und ließ mit ihnen von vielen Bach-Kantaten exemplarische Interpretationen im Konzertsaal und auf Schallplatte folgen. [...]

Die Tölzer Knaben setzen in Aufführungen von Barockmusik Ergebnisse und Folgerungen von der Erforschung des Notentexts und der Aufführungspraxis um: die „Messa di voce“, das Crescendo und Decrescendo auf einem Ton, die Trillerbehandlung (langsam oder schnell, Ansatz von oben oder unten) aus dem Affekt heraus oder die genaue Intonation von Naturintervallen. [...] «


Gerhard Schmidt-Gaden und das Collegium aureum,
Schallplattenaufnahme in der Pfarrkirche von Lenggries
(Foto: Marianne Adelmann, Zürich. Quelle: www.janreichow.de)


"My own preferred version remains that of the Tölz Boys' Choir conducted by Schmidt-Gaden on Deutsche Harmonia Mundi, with excellent solos from the choir members in the soprano and alto arias."
GRAMOPHONE MAGAZINE, Dezember 1989, S. 124

Montag, 1. Oktober 1973

Lully-Aufnahme mit Gustav Leonhardt

1973*
Schloss Kirchheim, Zedernsaal

Jean-Baptiste Lully: "Le Bourgeois Gentilhomme", LWV 43

Rachel Yakar, Sopran; René Jacobs, Countertenor; Siegmund Nimsgern, Bariton
Le douze Turcs, Les Français: Solisten des Tölzer Knabenchors
La Petite Bande (Sigiswald Kuijken, Leitung)
GUSTAV LEONHARDT, Dirigent

1973 Schallplatten-Aufnahme für deutsche harmonia mundi
1990 auf CD wiederveröffentlicht
* genaues Aufnahmedatum unbekannt

Montag, 20. August 1973

Uraufführung von Carl Orffs "De Temporum Fine Comoedia"

1973 wird Carl Orffs "De Temporum Fine Comoedia" bei den Salzburger Festspielen in Starbesetzung uraufgeführt. Herbert von Karajan verpflichtet hierfür auf Empfehlung des Komponisten den Tölzer Knabenchor. Dies ist der Beginn einer dauerhaften Zusammenarbeit zwischen Herbert von Karajan und den Tölzer Knaben.

Montag, 20. August 1973, 20.00 Uhr
Donnerstag, 23. August 1973, 20.00 Uhr
Samstag, 25. August 1973, 20.00 Uhr
SALZBURG, Großes Festspielhaus

CARL ORFF: De Temporum Fine Comoedia.
Rolf Boysen, Anna Tomowa-Sintow, Josef Greindl, Christa Ludwig, Peter Schreier
Tölzer Knabenchor (Einstudierung: Gerhard Schmidt-Gaden)
RIAS Kammerchor
Kölner Rundfunkchor
Kölner Rundfunksinfonieorchester

HERBERT VON KARAJAN, Dirigent
AUGUST EVERDING, Inszenierung
JOHN NEUMEIER, Choreographie

Das Werk wird für die Deutsche Grammophon Gesellschaft auf Schallplatte eingespielt.

Carl Orff mit dem Tölzer Knabenchor