Der Tölzer Knabenchor wurde im Jahr 1956 von Gerhard Schmidt-Gaden ins Leben gerufen und zählte wenige Jahre nach seiner Gründung bereits zu den gefragtesten und vielseitigsten Knabenchören. Die Tölzer leisteten mit wegweisenden Interpretationen insbesondere auf dem Gebiet der Barockmusik einen nicht unerheblichen Beitrag zum Wandel der musikalischen Aufführungspraxis. Seit den 1970er Jahren übernehmen Tölzer Solisten die Knabenpartien an den führenden Opern- und Konzerthäusern Europas. Der Chor ist ebenso gefragt bei Aufführungen großer oratorischer und symphonischer Werke mit renommierten Orchestern und Dirigenten. Künstlerpersönlichkeiten wie Carl Orff, August Everding, Hans Werner Henze, Leonard Bernstein, Gustav Leonhardt, Nikolaus Harnoncourt und Claudio Abbado zählten zu den frühen Förderern des Chores. Herbert von Karajan bezeichnete den Tölzer Knabenchor seinerzeit sogar als "einen der besten Chöre der Welt". Im Jahr 2014 gab Schmidt-Gaden im Alter von 78 Jahren die Leitung des Chores ab. Künstlerischer Leiter ist nun sein Schüler und ehemaliger Sopransolist Christian Fliegner. Unterstützt wird er dabei von einem Team von acht Stimmbildnern und Chorleiter:innen. Die Leitung der Solistenabteilung obliegt Ursula Richter. Seit 2024 zählt der Tölzer Knabenchor offiziell zum immateriellen Kulturerbe Bayerns.

Donnerstag, 29. Oktober 2026

Tölzer Knabe als Waldvogel in Wagners "Siegfried" an der Bayerischen Staatsoper

Donnerstag, 29. Oktober 2026, 16.00 Uhr (Premiere)
Sonntag, 01. November 2026, 16.00 Uhr
Mittwoch, 04. November 2026, 16.00 Uhr
Samstag, 07. November 2026, 16.00 Uhr
Dienstag, 10. November 2026, 16.00 Uhr
MÜNCHEN, Nationaltheater

RICHARD WAGNER: Siegfried
Neuproduktion der Bayerischen Staatsoper

Benjamin Bruns, Siegfried
Matthias Klink, Mime
Nicholas Brownlee, Wanderer
Georg Nigl, Alberich
Timo Riihonen, Fafner
Wiebke Lehmkuhl, Erda
Simone Schneider, Brünnhilde
Solist(en) des Tölzer Knabenchors*, Stimme eines Waldvogels
* Leo Eisenreich / Jakob Distler alternierend (Einstudierung: Ursula Richter)
Bayerisches Staatsorchester

VLADIMIR JUROWSKI, Musikalische Leitung
TOBIAS KRATZER, Inszenierung

Live-Übertragung der Premiere durch den Bayerischen Rundfunk

In der Neuinszenierung von Richard Wagners Oper "Siegfried" entscheiden Vladimir Jurowski und Tobias Kratzer, die Rolle des Waldvogels mit einem Knabensopran zu besetzen - was nicht nur dramaturgisch Sinn ergibt (da der junge Siegfried erst mit Brünnhilde zum ersten Mal einer Frau begegnet), sondern auch der ausdrücklichen Anweisung in der Partitur entspricht: "von einer Knabenstimme zu singen".

Die Partie des Waldvogels ist relativ kurz, aber stimmlich und rhythmisch anspruchsvoll. Da der Waldvogel in der Münchner Inszenierung nicht auf der Bühne zu sehen ist, sondern ohne direkten Blickkontakt zum Dirigenten und ohne Bühnenresonanz von der Seitenbühne aus singen muss, ergeben sich zusätzliche technische Schwierigkeiten, welche von den beiden erst elfjährigen Tölzer Knaben aber gut gemeistert werden.

Ursula Richter und Tölzer Knabe, Nationaltheater München 2026















Über Leo Eisenreich, der den Waldvogel in der Premiere singt, erscheint am 29.10. sogar ein eigener Bericht im ZDF heute Journal: https://www.zdfheute.de/video/heute-journal/lange-oper-knabenchor-100.html

Bei verschiedenen Produktionen des "Siegfried" in den letzten Jahrzehnten wurde die Rolle des Waldvogels Tölzer Knaben anvertraut, beispielsweise 1986 an der Oper Frankfurt (Michael Gielen / Ruth Berghaus), 1999 an der Nederlandse Oper in Amsterdam (Hartmut Haenchen / Pierre Audi), 2001 an der Wiener Staatsoper (Simone Young / Adolf Dresen) und zuletzt im April 2025 bei konzertanten Aufführungen unter Kent Nagano in Prag, Paris und beim Lucerne Festival: